Deponie gefährdet Lebensraum der Kreuzkröte:

In Bochum-HaGefährdet durch Deponie: Die Kreutzkrötemme leben zwei bedrohte Arten, für deren Weiterbestehen eine wieder Inbetriebnahme der Deponie von ThyssenKrupp TKN am Marbach schädliche Auswirkungen hätte.  

Da ist zum einen der Homo Hammerensis (der gemeine Hammer Bürger), für den leider noch kein Artenschutz besteht, obwohl die Population dieses einzigartigen aufrecht gehenden Affen aus dem Norden von Bochum nach Zählungen stark gefährdet ist. Nur die Hammer-Runde hat sich bis heute für sein Überleben unermüdlich eingesetzt.  Zum anderen aber auch  die Kreuzkröte, die sehr wohl schutzwürdig ist, und sich das Habitat teilweise mit dem zweibeinigen Primaten teilt.

Die Kreuzkröte mag offene, trockene Landschaften, Industriebrachen, stillgelegte Deponien und Kiesgruben in Gewässernähe, hält sich aber auch mal kurzzeitig in den gepflegten Gärten des Homo Hammerensis auf und wird dort gern beobachtet. Ihr Vorkommen auf dem Gelände von ThyssenKrupp am Marbach  wurde durch eine Bachelorarbeit vor kurzem eindeutig nachgewiesen. Das Landesbüro der Naturschutzverbände NRW weist nun auf die Gefährdung dieser seltenen Tiere hin und rät aus Gründen des Artenschutzes, dringend von der Wiedereröffnung ab. Im Folgenden finden Sie das Schreiben im Original:

 

            Sehr geehrter Herr Gimpel, sehr geehrter Herr Kelle, 

 im Nachgang zum Erörterungstermin am 22.03.2011 in Bochum übersende ich Ihnen Informationen zum Vorkommen der Kreuzkröte im Bereich der Deponie der TKN bzw. den direkt angrenzenden Teilhabitaten (Bezug zur Stellungnahme der NV vom 22.03.2010 unter Punkt 6.1 auf Seite 6 sowie die hierzu im Erörterungstermin am 22.03.2011 vorgetragenen Erläuterungen).

 Bei den beigefügten Informationen handelt es sich um Auszüge aus einer Bachelor-Arbeit im Bereich Umweltplanung aus dem Jahr 2010 (u.a. Kreuzkrötenkartierung aus 2009 auf dem Gelände „Von der Recke“) von Lisa Rüdiger und eine Karte mit den Laichgewässern der Kreuzkröte.

 Das Gelände „Von der Recke“ umfasste in der Arbeit auch die Deponie der TKN. Da es in 2009 u. 2010 sehr trockene Frühjahre gegeben hat; kann nicht ausgeschlossen werden, dass die in diesem Bereich  - also gerade auch im Bereich der Deponie – vorkommenden Kreuzkröten in diesen Jahren auf den Flächen der Deponie der TKN vom Gutachter NICHT aufgefunden wurden, da sich die Tiere aufgrund der Trockenheit in die feuchteren Bereiche außerhalb der Deponie zurückgezogen hatten. Falls der Gutachter nur im Frühjahr / Frühsommer und nicht bis ca. Ende August kartiert hat konnte er die Tiere also nicht finden. Erst zu diesem Zeitpunkt gab es Niederschläge, so dass die Tiere wieder in den im Frühjahr trockeneren Bereichen aufgefunden werden konnten.

 Hier zwei Beobachtungen aus der Datenbank des NABU Bochum:

 20.07.09: Fund von 2 Kreuzkröten unter einem Stein im unteren Bereich der Deponie (Herckenradt)

 14.08.09: >20 rufende Kreuzkröten aus den Laichgewässern „Von der Recke, >10 Rufer aus dem Regenrückhaltebecken u. mindestens 5 Rufer von der anderen Seite des Marbachs, (Herr Sandke, Herr Krisch).

 Das der Gesamtbereich der Halde der TKN sowie die angrenzenden Bereiche eine herausgehobene Bedeutung als Lebensraum für die Kreuzkröte haben, ist unstrittig:

Die Kreuzkröte ist eine Pionierart trockenwarmer offener Lebensräume mit wenig Vegetation oder gar keiner Vegetation. Sandige und trockene eher vegetationsarme Standorte  (z. B. Dünen, Sand- und Kiesgruben, Heidelandschaften oder Gärten und Brachflächen) werden bevorzugt. Dort kann sich die Kreuzkröte im lockeren Boden eingraben und verstecken. Als Laichgewässer dienen oft Pioniergewässer, die kaum mit Pflanzen bewachsen sind. Neben Tümpeln, Teichen, Baggerseen und Überschwemmungsgebieten kommen auch Wagenspuren und Gräben (so genannte Temporärgewässer) als Laichgewässer in Frage. Die Kreuzkröte ist unter diesen Voraussetzungen weitgehend gegen Trockenheit unempfindlich, ebenso wie gegen Salzgehalte im Boden. Wichtig ist ein Angebot an Flachwasser und schnell erwärmbarer sonniger Lage. Truppenübungsplätze, Steinbrüche, Baustellen, Schutthalden und Industriebrachen sind ebenfalls Biotope aus Menschenhand, die gerne von der Kreuzkröte besiedelt werden. Wälder werden weitgehend gemieden. Die Sommer- und Winterquartiere liegen meist in der Nähe und in der Regel unter 200 m voneinander entfernt.

 Sowohl die Landlebensräume als auch die Laichgewässer sind nur sehr kurzlebig und werden in der Regel schnell von Vegetation überwachsen. In noch betriebenen Abbaugruben oder eben Erddeponien sorgt der Abbau- und Ab- bzw. Umlagerungsbetrieb für eine regelmäßige Neuentstehung geeigneter Lebensräume.

 Die Kreuzkröte wird daher heute fast nur noch in Sandgruben oder Steinbrüchen gefunden. Hier findet sie ihre wichtigsten Lebensraumkomponenten: Unbewachsenen Rohboden, wo sie sich leicht eingraben kann oder andere Versteckmöglichkeiten unter Steinen sowie kleine, flache, unbewachsene Gewässer. Diese bilden sich in den Abbaugruben oft in den Fahrspuren der schweren Maschinen. In diesen kurzlebigen Gewässern können sich die Kaulquappen praktisch ohne Feinde oder Konkurrenz entwickeln, oft gelingt die Fortpflanzung aber nicht, da die Gewässer zu schnell austrocknen.

 Im Ruhrgebiet werden hauptsächlich Bergbaufolgelandschaften, Deponien, Brachen, Baugelände, sowie Ruderalflächen im menschlichen Siedlungsbereich besiedelt. Man kann sagen, je „unordentlicher“ und je häufiger im Wandel, desto besser für die Kreuzkröte.

 Die Art ist (auch) in Bochum in den letzten Jahre stark zurückgegangen, da ihre Landlebensräume und geeigneten Laichgewässer durch Sukzession und Rekultivierung von Brach- und Ödland, Renaturierung und Wiederbegrünung von Abraumhalden und Deponien verloren gehen.

 Es sind entsprechende Schutz- und Pflegemaßnahmen erforderlich, um die Lebensräume der Kreuzkröte zu erhalten. Hierzu verweise ich insbesondere auf den Umweltsteckbrief Nr. BO-63 zur Erarbeitung des RFNP mit der Darstellung des Deponiebereichs (wurde auch im Termin am 22.03.2011 von mir zitiert bzw. vom Einwender Herrn Oldenglott); hier Auszüge:

 „Biotopverbund: Biotopverbundstufe 2 (ehem. Schlackenhalde)

Das Gebiet stellt eine in dieser Größe seltene, relativ ungestörte Brachfläche am Innenstadtrand dar. Der Bereich gehört zu einem sechs Flächen umfassenden Biotopverbund im dicht besiedelten städtischen Bereich. Planungsrelevante Arten: Kreuzkröte - Bufo calamita-

 Ökologisches Potential: Ehem. Schlackenhalde:

Der Bereich hat aufgrund der Strukturvielfalt (arten- und blütenreiche Industriebrachfläche, naturnahe Stillgewässer, schutzwürdige Laubwälder) ein hohes ökologisches Potential.

 Der Bereich ist landschaftsschutzwürdig, Teilbereiche erfüllen die Kriterien eines Geschützten Landschaftsbestanteiles“

 Fakt ist es, dass die Kreuzkröten im Raum Bochum stark im Bestand gefährdet sind! Dieses betrifft auch gerade das Vorkommen im Bereich der Deponie der TKN und die umliegenden Habitate. Diese – als Habitat extrem interessant für die Kreuzkröte (aber auch andere Arten wie z.B. Flussregenpfeifer, Blindschleiche etc.) - werden immer weiter eingeschränkt. In der Vergangenheit bereits durch die Entwicklung des Gewerbegebietes „Von der Recke“; u.a. mit der „Autoarena“ und aktuell die ökologische Verbesserung des Marbaches, welche - pikanterweise – die aquatischen Lebensräume der Kreuzkröten-Population vernichtet hat. Bemerkenswerterweise wurden im Mai 2002 mehr als 2000 Kaulquappen der Kreuzkröte vom NABU Bochum im Auftrag des USB in einer Rettungsaktion vor Umgestaltung und Sanierung der ehemaligen Deponie „An der Holtbrügge“ in Bochum-Weitmar nach Bochum-Hamme in den Bereich der Deponie der TKN / Marbach umgesiedelt. Der für die Umsiedlungsaktion geeignete Bereich der Deponie TKN / Marbach wurde zusammen mit dem Umweltamt der Stadt Bochum und den örtlichen Amphibien-Experten ausgesucht. Insgesamt wurden 313 Amphibien umgesiedelt; neben 95 Kreuzkröten auch 32 Blindschleichen.

 Insgesamt sind die lokalen Populationen der Kreuzkröte im gesamten Ruhrgebiet stark gefährdet. Weitere räumliche Einschränkungen der Lebensräume, sei es Sommer- oder Winterlebensräume führen zu einer weiter zunehmenden Gefährdung der Art. Es sind daher solche Eingriffe zu unterlassen; bei Planungen sind entsprechende Habitat-Verbesserungen oder Ersatzlebensräume zu entwickeln.  

Die Naturschutzverbände halten es zunächst aber für wichtig, dass ein fachlich spezialisiertes Gutachterbüro die faunistischen Artenvorkommen im Bereich der Halde von TKN erneut untersucht. Aufgrund der derzeitigen für Kreuzkröten hervorragenden Habitateigenschaften ist kaum vorstellbar, dass dort keine Kreuzkröten vorkommen. Die dort vorhandenen Kreuzkröten sind dann vor Beginn von Modellierungen und Aufbringen der Basisabdichtung abzusammeln und an geeigneter Stelle umzusiedeln oder es ist ein entsprechender Management-Plan zu entwickeln, mit denen die Kreuzkröten-Population an Ort und Stelle im Bereich der Deponie erhalten werden kann (z.B. Sicherung von Teillebensräumen während der Modellierungs-, Bau- und Ablagerungs- sowie Rekultivierungsphase). Amphibien-Experten können hierzu entsprechende Vorschläge unterbreiten.

 Sollte es also zu einer Genehmigung der Überplanung der bisherigen seit 1987 nicht mehr von TKN beschickten Deponie in Bochum-Hamme kommen, ist in die Genehmigung die Auflage aufzunehmen, dass bei der Rekultivierung entsprechende Habitat-Verbesserungen oder die Neuanlage von Kreuzkröten-Habitaten, möglicherweise CEF-Maßnahmen, vorzusehen sind.  

Für Rückfragen zur Kreuzkröten-Population im Bereich der Deponie von TKN / Marbach / Gewerbegebiet „Von der Recke“ bitte ich um Rückruf im Landesbüro. Gerne können wir Ihnen auch die örtlichen Amphibien-Experten in Bochum nennen.

 Ich bitte um Eingangsbestätigung dieser ergänzenden Stellungnahme der anerkannten Naturschutzverbände und um entsprechende Bestätigung der Berücksichtigung dieser Informationen zur Kreuzkröte – wie im Termin am 22.03.2011 bestätigt - im weiteren Verfahren zur geplanten Deponie der TKN in Bochum-Hamme.

 Abschließend weise ich darauf hin, dass es möglicherweise zu einem Umweltschaden in Bezug auf die Kreuzkröte kommen kann, sollten die für das Überleben der lokalen Population der Kreuzkröte wichtigen Habitate im Bereich der Deponie der TKN vernichtet werden.

 Mit freundlichen Grüssen aus Oberhausen

 Gerd Mackmann

Bildquelle: http://de.wikipedia.org/wiki/Kreuzkr%C3%B6te

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